Warum Haut und Nervensystem für mich zusammengehören

Je länger ich mich mit Haut beschäftige, desto weniger kann ich sie nur als äußere Hülle betrachten. Sie nimmt Berührung, Druck, Wärme, Kälte und Schmerz wahr. Eine warme Hand kann sofort wohltuend sein, eine kratzende Naht innerhalb weniger Sekunden nerven.
Diese unmittelbare Wahrnehmung ist einer der Gründe, weshalb Haut und Nervensystem für mich zusammengehören. Nicht als esoterische Idee und auch nicht als einfache Erklärung für jedes Hautproblem, sondern als ganz reale Verbindung unseres Körpers.
Die Haut nimmt fortlaufend Kontakt zur Umgebung auf
In der Haut liegen zahlreiche Nervenenden und Rezeptoren. Sie melden, was uns berührt und was um uns herum geschieht. Deshalb kann Pflege auch eine Form der Wahrnehmung sein: Wie warm ist das Wasser? Wie fest berühre ich meine Haut? Fühlt sich eine Textur angenehm oder störend an?
Für mich hat sich Hautpflege dadurch verändert. Sie ist nicht nur das Auftragen eines Produkts, sondern ein kurzer Kontakt mit mir selbst.
Stress darf nicht zur Universalantwort werden
In anstrengenden Zeiten nehme ich meinen Körper anders wahr. Wenig Schlaf, innere Unruhe und das ständige Funktionieren können Gewohnheiten verändern. Wir kratzen vielleicht unbewusst, berühren häufiger das Gesicht oder lassen vertraute Routinen ausfallen. Bestehende Hautprobleme können bei manchen Menschen stärker auffallen.
Daraus folgt aber nicht, dass jede Hautveränderung psychisch ist. Niemand ist schuld, weil sie oder er „nicht entspannt genug“ war. Medizinische Ursachen müssen medizinisch ernst genommen werden. Ruhe und positives Denken ersetzen keine Diagnose.
Pflege kann trotzdem ein Moment der Unterbrechung sein
Langsames Eincremen, bewusstes Atmen oder ein angenehm warmes Handtuch sind keine Therapie. Sie können aber einen vollen Tag für einen Moment unterbrechen. Ich spüre dann vielleicht erst, wie angespannt meine Schultern sind oder wie hastig ich gerade war.
Diese Wahrnehmung ist für mich wertvoll genug. Ich muss daraus kein großes Wirkversprechen machen. Ein wohltuender Moment darf einfach ein wohltuender Moment sein.
Berührung ist persönlich
Nicht jede Berührung fühlt sich zu jeder Zeit angenehm an. Manche Frauen mögen kräftiges Einmassieren, andere bevorzugen ein sanftes Auflegen der Hände. Auch das kann sich von Tag zu Tag ändern.
Bei HAUT – Samt & Seele möchte ich deshalb Hautwissen, Lebensphase, Berührung und Nervensystem gemeinsam betrachten – ohne komplexe Vorgänge auf eine einzige Ursache zu reduzieren. Hautveränderungen dürfen ärztlich abgeklärt werden und zugleich Anlass sein, die eigene Belastung und Selbstfürsorge wahrzunehmen. Beides darf nebeneinanderstehen.
Wenn du die vorherigen Gedanken dieser Reihe lesen möchtest, findest du sie im Beitrag Warum bei wasserfreier Pflege eine kleine Menge genügt. Wie sich Hautpflege mit einer neuen Lebensphase verändern darf, liest du anschließend unter Hautpflege darf sich mit uns verändern.
Mehr über diese Perspektive und die Idee dahinter erfährst du auf HAUT – Samt & Seele.